5 gute gründe um ein buch zu schreiben

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Gerade mache ich mit meinem neuen Buch Mutter.Tochter.Reisen. die ersten Schritte als Indie-Autorin und Self-Publisherin und schon muss ich darüber philosophieren. Ja, ich sehe wie Sie grinsen, liebe Leserxs.
Philosphie bedeutet übersetzt Liebe zur Weisheit und die Tätigkeit dazu ist, alles in einem und rund um einem in Frage zu stellen, zu hinter- und vorder- und seitwärtsrückfragen, auch die ganz selbstverständlich erscheinenden Vorgänge. Man tut das jedoch nicht um stupide die Beliebigkeit von Allem zu erhöhen, sondern mit dem Ziel die eigenen Erkenntnisfähigkeiten zu erweitern. Philosophisches Nachdenken hat also doch so etwas wie einen Rahmen, eine Struktur wie zum Beispiel die Logik und ein Ziel. Soweit meine persönliche Deutung und Erklärung warum ich Sie einlade, mit mir über die Gründe für das Buchschreiben nachzudenken.

©comfreak -book-pixabay.com

1.
Entgegen allen anderen Behauptungen, auch meiner eigenen! glaube ich, dass jeder Autorxs eigentlich einen Bestseller schreiben möchte. Da muss so eine archaische Sehnsucht nach der ganz großen Bühne in einem stecken. Zumindest beim ersten Buch. Das ist anfangs vielleicht sogar die wirksamste Motivation, die es einem ermöglicht, sich über Jahre mit der Idee einer Geschichte zu beschäftigen, sich Tage und Nächte um die Ohren zu schlagen während man/frau mit krummen Rücken hinter einem Bildschirm hockt und in die Tasten hämmert. Und schreibt, wieder löscht, andersrum neu beginnt, verwirft, schreibt, zu speichern vergisst und von vorne anfängt. Es dauert, bis Figuren und Erzählstränge Gestalt annehmen. Mich erinnert es an die Arbeit eines Bildhauers, der aus Stein oder Holz seine Werke holt: ähnlich mühsam klopft man aus dem wilden, tiefen Gedankenstrom im eigenen Kopf die Geschichten heraus.
Als meine Geschichte fertig war, gefiel sie in erster Linie mal mir selbst. Geschrieben werden Bestseller aber nicht für den individuellen Geschmack oder das Ego eines Autors, sondern zur Unterhaltung oder Information der geschätzten Leserxs. No na. Also folgen weitere Marathonsessions am Computer, Freunde aller Couleurs werden um Rückmeldung gebeten, Internetseiten mit guten Tipps für Autoren werden studiert um zu lernen, wie so eine Geschichte nun denn aus den Augen der Leserxs zu betrachten wäre …

Meine Bestseller-Motivation hat einen veritablen Dämpfer erhalten, als mir die werte Freundin L. ein Buch lieh, in dem zwei durchaus ernst zu nehmende Autoren darüber schreiben, wie man einen Bestseller landet. Dort hieß es bereits nach wenigen Seiten, dass Bücher mit biografischen Inhalten und persönlichen Erfahrungen am besten in einer kleinen feinen Auflage selbst gedruckt und vermarktet werden. Man solle sich die Mühe sparen einen Verlag zu finden. Ausser der Autor ist eine berühmte Persönlichkeit, das sei etwas ganz anderes. Hmm, dachte ich als ich das las. Stimmt, diese Leute haben wahrscheinlich bereits in ihren Verträgen stehen, dass sie sich mindestens einmal mit eleganter Profi-Fröhlichkeit bei Ster- und Grissemann in die Sendung setzen müssen.
Allerdings war mein erstes Buch „Kraft meiner Angst“  ein Buch mit persönlichen Erfahrungen. Ich hatte damals kein Problem einen Verlag zu finden und soweit ich weiß, wurde es bisher fast 2000 mal verkauft. Natürlich kein Welt-Bestseller aber nicht schlecht für die Arbeit einer unbekannten Erstlingsautorin …

2.
Vielleicht einfach schreiben, weil man/frau, weil ich es kann? So wie jemand anders Geige spielen kann oder Singen oder Zeichnen oder Blumenbinden oder Socken stricken. Jederxs kann halt was. Oder mag etwas, so wie ich das Lesen und das Schreiben. Weil es mir eine unbändige Freude macht, die richtigen Worte zu finden, Formulierungen und ganze Sätze zu bilden? Gute Sätze bilden aneinandergereiht eine ganz persönliche Sprachmelodie, haben Rhythmen und Tempi. Sie machen Musik, die ich wieder und wieder hören will. Weil es cool ist, einem Erlebnis Gestalt zu geben, einen Anfang und ein Ende.
Weil das Autorin-Sein einem Teil meiner Persönlichkeit Identität gibt? Weil es für jemanden mit einer etwas introvertierten Persönlichkeit die ideale Form ist, mit der Welt und ihren Menschen über einen Blog, ein Buch in Kontakt zu sein?

3.
Vielleicht schreibt man, weil zu Papier gebrachte Erzählungen etwas nährend selbstreferentielles haben? Ich erlebe, wie mich das Lesen meiner eigenen Geschichten irgendwie tröstet, wenn ich gerade wieder einmal meine Mitte verloren habe. Dieses Selbstreferentielle hat einen großen Anteil am Erfolg von Facebook&Co, vermute ich mal. Man kriegt gespiegelt wer man über das momentane Zweifeln hinaus auch noch ist und das hilft gegen Aufregung und Angst?

©Alexas_Fotos-danbo-pixabay.com

4.
Vielleicht schreibt man, weil einem das Leben dazu Zeit  lässt. Ich erlebe den Übergang ins Pensionistenzeitalter als ziemliche Herausforderung, als eine heftige Anfrage an Sinn und Gestaltungswillen in meinem Leben. Es ist herrlich, morgens ohne Wecker aufzustehen. Zeit zu haben für Yoga, Kochen, Wandern, … aber all das ergibt mir noch keinen Lebenssinn. Irgendwann werde ich oft genug im Kaffehaus gesessen und  Zeitungen bis hin zu den Todesanzeigen gelesen haben. Ich werde es ausreichend genossen haben ohne Stress einkaufen zu gehen. Mangels anderer Termine ist es leicht, täglich eine Stunde zu turnen, in die frische Luft raus zu gehen, gut zu kochen. Vielleicht ist mein Schreiben ein Impuls auf der Suche nach Sinn?

5.
Mein heißtester Tipp warum ich schreibe ist, um meinen Blick auf die Welt lebendig und beweglich zu halten. Die modernen Medien kippen vor allem den Schrecken und das Leid der ganzen Welt ungefiltert direkt in unsere Wohnzimmer als wären dort Mülldeponien für Wahnsinn. Vielzuschnell, vielzuviel, vielzunah. Ich hasse das. Es fühlt sich an wie wenn meine Wahrnehmung, meine Psyche ausgetrickst und manipuliert werden sollen. Wir leben in einer der sichersten Zeiten jeher und dennoch entsteht subjektiv der Eindruck, alles wäre alles vor meiner Haustüre kurz vor dem Zusammenkrachen. Das macht den Blick auf die Welt starr und hart. Es ist aber nicht die wirkliche Welt auf die wir dann starren wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern nur ein winziger besonders grauslicher Teil davon. Die Welt, und Sie liebe Leserxs wissen das ebenfalls ganz genau, ist viel viel mehr als das was wir in den Blasen von Fernsehen und Facebook vorgesetzt bekommen. Das Schreiben ermöglicht mir zu sehen was letzte Nacht in Schweden alles passiert ist und den inneren Blick auf’s Ganze vielfältig und humorvoll zu halten.

Sich Geschichten zusammen zu denken ist ein Erlebnis. Recherchieren ist ein Erlebnis. Buchschreiben ist ein Erlebnis. Mit Lesern in Kontakt zu sein ist ein Erlebnis. Einen Fortsetzungsroman im Internet zu betreuen ist ein Erlebnis. Self-Publishing ist ein Erlebnis. Lesungen sind ein Erlebnis. Sogar darüber zu philosophieren ist eines.
Identität, Ausdruck, Kontakt, Trost, Sinn, Herausforderung, Lebendigkeit und 101 Erlebnisse der besonderen Art – Sie ahnen schon die heutige Ermutigung, liebe Leserxs.

Machen Sie mehr aus dem was Sie lieben, was Sie gut können.
Alles kann zur Kunst werden.

Wenn es heiter genug ist, darf es sogar völlig sinnfrei sein, wie Sie etwa hier sehen können:

Vielleicht öffnet es Ihnen eine Türe von der Sie vorher nicht wussten, dass es sie gibt?
meint heute
JKK

 

 

 

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2 Gedanken zu “5 gute gründe um ein buch zu schreiben

  1. 0

    Das sind wahrlich 5 gute und erheiternde Gründe, liebe Judith! Dass #4 irgendwann auf mich zutreffen wird, darauf warte ich mit großer Sehnsucht 🙂

    Für mich gab und gibt es übrigens vor allem EINEN Grund, ein Buch zu schreiben:
    Etwas. Will. Raus.

    Und das war für mich immer Grund genug.
    Meint in aller Bescheidenheit
    deine Freundin L 🙂

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      Finde ich spannend als Bild, dass etwas raus will. Ein weiterer guter Grund!
      Ich hab dieses Gefühl nicht, eher so ein Bild wie einen riesigen Strom aus dem die Geschichten und Gedanken purzeln und ich fang sie auf
      Aber ich bin halt eine alte Intorvertierte 😉

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