fünf quickies gegen stress

Stressempfindungen könnte man mit einer Meereswelle vergleichen. Sie baut sich auf, ist da und ebbt wieder ab. So würde es idealtypisch auch in unserem Nervensystem zugehen, wenn da nicht unser Alltag wäre. Wecker überhört, Stau, Regen, Kollege nervt, gesundes Essen zu Hause vergessen, 81 neue mails, schon wieder Kreuzweh, Kunde unzufrieden, zu spät beim Eltern-Lehrergespräch. Sie kennen das alle, liebe Leserxs. Alle paar Minuten baut sich eine Stresswelle auf, ist da – und wupp! schon schwappt die nächste daher. Keine Chance auf genügend Zeit und Ruhe, um sie abebben zu lassen. So baut sich klein auf klein eine Art Stress-Riesenwelle in unserem Nervensystem auf bis nichts mehr geht. Allzu oft entstressen wir uns dann mit Herumbrüllen am falschen Ort, einer kleinen Überdosis Alkohol, Schoko-Couching mit Krimi oder dem sinnlosen Anjammern von Familienmitgliedern. Wir wissen, dass es besser wäre, eine halbe Stunde schnell um den Block zu laufen oder sich zum Yoga aufzuraffen. Aber wenn der geliebte gestresste Organismus schon mal auf ROT rennt …

Heute möchte ich Sie einladen, fünf bestens funktionierende Stressabbau-Quickies kennen zu lernen. Sie haben Vorteile: Sie gehen schnell. Brauchen keine Vorbereitung. Sind einfach. Und wirksam. Vielleicht machen Sie Ihnen sogar Spaß.

Eins: Sich selbst rhythmisch und schnell bewegen

Also: Schütteln, Tanzen, Laufen, Trommeln, Hüpfen, …. schnell, kräftig, rhythmisch. Sie dürfen schwitzen und schnauben. Die Lieblingsmusik hilft enorm. Stress aktiviert die archaischen Verhaltensmuster von Angriff, Flucht und Erstarrung, welche im Körper viel Energie bereitstellen. Diese gehört abgebaut. Im Gehirn sieht man bei Stress verschiedene Areale in unterschiedlichen Tempi schwingen, nach 10 – 15 Minuten rhythmischem Toben schwingen sie wieder im Gleichklang.  Es wirkt übrigens jede Art von rhythmischer heftiger Bewegung – bis hin zu Germteig kneten 🙂

Zwei: Sich langsam und bewusst wahrnehmend bewegen

Bewegungsprogramme werden im Kleinhirn gespeichert. Viele unserer Stressprogramme auch. Bewusste achtsame Bewegung stellt eine Verbindung zwischen diesen Hirnarealen her und stärkt so unser Gefühl von Selbstkompetenz. Bewegungsmuster, die auf Stress zurückzuführen sind, fühlen sich plump, hart, fahrig, ungelenk an und weisen immer auf die Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung hin. Gelungene Bewegungen sind leicht, frei und elegant.
Besonders bedeutsam sind nach neueren Erkenntnissen die Mechanorezeptoren im Bindegewebe für die Propriozeption, die körperliche Selbstwahrnehmungsfähigkeit. Also jene Teile unseres Nervensystems, die uns permanent in einem riesigen Strom informieren wo genau im Raum wir uns befinden, in welcher Haltung, in welchem Tempo, in welche Richtung wir uns bewegen, wie schwer z.B. eine leere oder eine gefüllte Tasse Tee ist, etc. Schlechte Propriozeption wird über die Augen (Anstrengung! Nackenverspannung!) kompensiert. Da hilftEinfach auf den Boden legen, Augen schließen und 5 Minuten lang durchstrecken, dehnen, sich räkeln, gähnen, bewusst einen Arm, ein Bein heben und senken, Atem und Bewegung verbinden. Langsam bleiben.

©www.danielschneider.at

Drei: Jemanden um eine Rückenstärkung bitten

Wenn wir müde oder gestresst sind, beginnen wir automatisch, uns die Augen, das Gesicht, die Hände, aber auch das Kreuz zu berühren und zu massieren. Die Rückseite unserer Schultern und unseres Brustkorbes können wir selbst nicht gut erreichen, und sie verschwindet daher oft aus unserem Bewusstsein – erst wenn die Schultern schmerzen, nehmen wir sie wieder wahr. Wann immer es möglich ist, sollten Sie einen Kollegin, einen Freund bitten, Ihnen kurz mal „den Rücken zu stärken“ – mit einer kleinen Massage, einem sanften Klopfen oder einfach nur mit dem Auflegen der Hände. Sie werden spüren, wie unendlich wohltuend das ist und dass Sie innerhalb oft nur einer Minute frisch gestärkt sind.

Vier: Stressige Arbeitstage mit Alltagsbewegungen abschließen

Moshe Feldenkrais beschäftigte sich auf geniale Weise mit dem Abbau von im Laufe eines Tages angesammelten und überlagerten körperlichen Spannungsmustern. Er beobachtete, dass unser Büro-Bewegungsalltag aus einer Fülle unterbrochener, festgehaltener Bewegungsmustern besteht: Wir öffnen eine Mappe, da klopft es an der Tür. Während wir aufstehen, läutet das Telefon. Beim Bücken um ein Papier ruft plötzlich die Chefin. Während wir telefonieren, suchen wir einen Zettel, einen Kugelschreiber, …
Feldenkrais arbeitete mit seinen Klienten am Ende ihres Arbeitstages im Büro und leitete sie an, alle Alltagsbewegungen noch einmal in Ruhe, bewusst, aufmerksam und vollständig auszuführen. So werden alle gestoppten Bewegungen und die damit verbundenen Spannungsmuster zu einem Ende gebracht, ebenso manche psychodynamischen Vorgänge.
Nehmen Sie sich am Ende eines Arbeitstages fünf Minuten Zeit. Setzen Sie sich bewusst auf Ihren Sessel, nehmen Sie Ihren Arbeitsplatz bewusst wahr. Führen sie Aktivitäten des vergangenen Tages bewusst und in Ruhe vollständig aus: Telefonhörer abnehmen, ans Ohr halten und zurücklegen. Innhalten, atmen. Schreibtischladen bewusst öffnen und schließen. Innehalten, atmen. Aufstehen, Fenster öffnen und schließen. Innehalten, atmen. Aufstehen, niedersetzen. Innehalten, atmen. Stift nehmen, ein Wort schreiben, Stift zurücklegen. Innehalten, atmen. …. Sie werden sich wundern, wie entspannt Sie Ihr Büro verlassen können!

Fünf: Innehalten, Zur Ruhe kommen, Meditieren

Alle Grundübungen der Meditation stoppen den Hormonregen in Ihrem Körper, mit dem Sie Gefühle von Ohnmacht, Angst, Unsicherheit, Unlust,… erzeugen. Meditationsübungen haben eine Distanzierung der Person vom hautnah Erlebten zum Ziel und stärken auf Dauer die gesunde, handlungsfähige Persönlichkeit. Sie müssen dazu nicht mehr tun, als sich bequem hinsetzen, die Augen zu schließen und einige Minuten lang Ihren Atem wahrnehmen, wie er aus- und einströmt.

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Ganz entspannte Frühlingstage und dass es endlich wärmer wird, wünscht Ihnen

JKK

  1. Das Beitragsbild ist von: ©tdfugere-beach-pixabay.com
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4 Gedanken zu “fünf quickies gegen stress

  1. Superblog!
    Jeder Quicky für sich äußerst hilfreich .
    Man sollte sich (täglich) immer wieder daran erinnern und sich die paar Minuten bewusst dafür Zeit nehmen.

    1+

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