lebensmittel – ein buch

Bücher über Ernährung gibt es wie Sand am Meer. Klug, umfassend und beinahe vergnüglich wie sie Michael Pollan schreibt, sind nur wenige.

Voriges Jahr haben mich wochenlang seine Erzählungen in „Das Omnivoren-Dilamma“ über die Allgegenwärtigkeit des Mais als quasi Siegerpflanze der Evolution („Verwenden wir Menschen tatsächlich den Mais oder verwendet er eigentlich uns um sich immer weiter zu verbreiten?“) in den Bann gezogen. Die Lebens- und Ernährungsgeschichte des von ihm gekauften Rindes, das er von der künstlichen Zeugung weg bis hin zu dessen Verarbeitung als Steak begleitet, seine ersten Erfahrungen als Wildschweinjäger und -koch, seine Ausflüge zu alternativ arbeitenden Farmen und Firmen, das war beides: Information plus Unterhaltung in bester Qualität. Sie merken schon, liebe Leserxs: „Das Ominvorendilemma“ hat mir gefallen. Wenn Sie gern ein dickes, kluges Buch lesen möchten derweil es draußen so herrlich stürmt und schneit – nur zu.

©Kapa65 - pixabay.com
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Wenn Sie ernährungsinteressiert sind, haben Sie vielleicht schon mal wo den Spruch gelesen: „Eat Food. Mostly Plants. Not too much.“
Das ist die berühmt gewordene Essenz von Michael Pollans Buch „Lebensmittel. Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn.“ Der englische Originaltitel beschreibt den Inhalt fast noch besser: „In Defense of Food. An Eater´s Manifesto.“

Hier beschreibt der Autor auf gut 200 Seiten die Entwicklung von Essen hin zu etwas, das er Nutrionismus nennt: Wenn wir uns zu einem vollen Teller setzen, sehen wir nicht mehr die wohlig die Farben, Geschmäcker, Düfte und freuen uns auf den Genuß, sondern wir checken die Nährstoffe: soundso viel Eiweiß hat das, gute oder schlechte Fette, Zucker, Vitmine, Mineralstoffe etc. Der schon lang um viele Nuancen betrogene Gaumen schmeckt nur mehr künstliche, vereinheitliche Aromamixturen. Hinter der bunten Fassade von Müsli, Pizza, Pasta &Co besteht industriell hergestelltes Essen aus – na? – genau: Mais, Weißmehl, Fett, Zucker (Maissirup) und Salz. Genau das essen wir täglich dreimal, mindestens. Nutrionismus konditioniert uns auf das Wahrnehmen einzelner Inhaltstoffe, die in industriell hergestellten Nahrungsmitteln beliebig gemischt werden können und auf denen dann draufstehen darf, dass sie gesund seien.

Pollan beschreibt den Nutrionismus als eine Finte der Lebensmittelindustrie, die in den USA eine mächtige politische Lobby hat und so zb. Lebensmittelimitate nicht mehr kennzeichnen muss. Natürlich gewachsenes Vollkorn kann industriell von nicht lange haltbaren Substanzen wie Omega3 Fetten befreit werden und die verbleibenden Einzelbestandteile können in beliebigen Varinanten neu zusammengemischt werden und so den Eindruck von gesund und natürlich erwecken. Das wissen Sie vielleicht alles, liebe Leserxs. Es wird beim Lesen dieses Buches einfach noch viel klarer.

©Cody0819 - pixabay.com
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Vielleicht das überraschendste Kapitel war für mich  jenes über den allumfassenden Wandel unserer Ernährung durch grüne Blattgemüse hin zu Samen = Getreide und den Zusammenhang mit Omega3 Fettsäuren. Früher fraßen unsere Rinder Gras. Gras und natürlich gewachsene Pflanzen haben Omega3 Fette. Das fraßen die Rinder, Hühner, Enten, Gänse, Schweine , … und wir aßen dann das Fleisch, die Eier, tranken die Milch. Und wir aßen Kohl, Spinat, Salat und Kraut frisch aus Nachbarbauerns Gemüsegarten. Oder vom Greißler, der es vom nächsten Bauern hatte. Unsere Ernährung war von sich aus voll mit Omega3.
Heute fressen die Rinder, Schweine, Hühner, Enten, … Kraftfutter. Mastfutter. Kurz gesagt: Getreide. Mais. Soja. Plus Medikamente, damit sie daran und durch die Massenhaltung nicht sterben. Gleichzeitig essen wir weniger grünes Gemüse, meistens welches, das zu ungunsten der Nährstoffe auf bloße Schönheit und Üppigkeit gezüchtet worden ist und aus künstlich gedüngten Böden oder Nährstofflösungen kommt.
Fische enthalten Omega3, weil sie u.a. Algen fressen. Zuchtfisch kann mangels Angebot keine Algen mehr fressen. Kohl und Kraut sind ziemlich unmodern geworden. Und ich vermute, die Bauern essen ihre selbst gefütterten Hühner und deren Eier selber.  Hinter der bunten Gaukelei ist unsere Nahrung unglaublich eintönig und nährstoffarm geworden.
Diese und viele andere verblüffende Geschichten erzählt Michael Pollan in angenehm unaufgeregtem Ton, pointiert und so, dass Sie es vielleicht auch richtig gerne lesen …

meint

jkk (die sich jetzt auf´s neue bestätigt – ein grünes smoothie mixt!)

PS: Headerfoto von ©jarmuluk – pixabax.com

 

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