obstkuchen – und warum ich so werden will wie meine mutter

Hin und wieder bin ich wie meine Mutter. Dann wieder gar nicht. So geht das schon seit vielen Jahren liebe Leserxs, und meine Gefühle dazu – nun ja, die haben sich im Lauf der Jahre ziemlich geändert.
Ich erinnere mich, wie der Herr kk vor langer Zeit einmal (war es kopfschüttelnd oder nicht?) gesagt hat: „Du bist wie deine Mutter!“ und ich daraus einen veritablen Ehekrach inszeniert habe. Er dürfe sowas nie nie wieder zu mir sagen, war die daraus folgende Vereinbarung.

Heute erlebe ich meine Mutter, die flink wie ein Wiesel und heiter wie die Tante Jolesch auf die neunzig zumarschiert, ganz anders. Oh mein Gott, denke ich nun öfters, hoffentlich bin ich in diesem Alter auch noch so fit, so lebensfroh, so neugierig, so mutig, so gesellig, so gesund, … „Hoffentlich habe ich GANZ VIEL von meiner Mutter geerbt!“ sage ich heute zum Herrn kk und er darf mich in allen Ähnlichkeiten bestätigen … ja, liebe Leserxs, so ist das geworden in Lauf der Zeit.

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Bei meinem heutigen „Kochen-gegen-die-Angst-Rezept“ habe ich es gemacht wie meine Mutter: ausprobiert, experimentiert, optimiert … x mal gemacht, bis ich endlich einmal nicht vergessen habe, die Zutaten abzuwiegen und aufzuschreiben.

Es geht um den optimalen Boden für einen Obstkuchen. Marillen, Ribiseln, Zwetschken, Äpfel, alles ist mit diesem Boden möglich. Denn die herkömmlichen Rezepte waren mir generell zu trocken. Ich mag es nicht, wenn der Teig vom Obst wegbröselt und auseinanderfällt. Ich mag es nicht, wenn nur der Bissen, der mit Frucht verbunden ist, nach etwas schmeckt und man den Kuchenrest nur anstandshalber aufißt. Ich mag es nicht, wenn die Reste eines Obstkuchens am nächsten Tag nicht mehr schmecken, weil alles zusammengefallen, trocken oder batzig-wässerig geworden ist.

Hier ist also mein bestes Rezept für Blech-Obstkuchen (Menge für ein herkömmliches Kuchenblech):

  • 5 Eier, davon drei Eiklar mit einem EL Zucker zu einem sehr steifen Schnee aufschlagen
  • etwa 10 dag Butter
  • 10-15 dag Zucker
  • eine große Prise Salz
  • 1/8 Schlagobers, flüssig
  • 1 EL Rum, Vanillezucker
  • etwa 10 dag Topfen (gerne den bröseligen, wenn Sie den nussigen Geschmack mögen)
  • 35 dag Kuchenmehl (Dinkel oder Weizen, wenn Sie mögen auch Vollkorn)
  • ½ Päckchen Vanillepuddingpulver
  • Backpulver
  • optional: 3 EL gemahlene Mandeln, das muss aber nicht sein
  • etwa 1 kg Marillen oder Zwetschken für den Belag?
  • Für den Teig zwei Eier und drei Dotter schaumig schlagen, dann die weiche Butter einrühren. Salz, Schlagobers, Rum, Vanille und Topfen rasch unterrühren und dann das mit dem Back- und Puddingpulver vermischte Mehl. Dieser Teig wird eher fest und eher zäh, kein Grund zur Besorgnis! Dann den steifen Eischnee unterheben, gut vermischen.

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Jetzt ist der Teig weich und ein wenig zäh. Perfekt. Auf ein Backblech streichen (dünn aufstreichen, der Teig geht gut auf), dicht mit Obst belegen, fertig. Bei 180 Grad etwa 40 min backen oder bis die Teigflächen hellbraun geworden sind.

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Dieser Kuchen schmeckt durch den Topfen saftig, bröselt nicht, und hält Farbe, Form UND den fest-saftigen Geschmack drei Tage lang. Da der Herr kk neuerdings auf seine Linie achtet, verputzt er kein ganzes Blech mehr an einem Tag …

Am Ende des Obstkuchenbackens mache ich aus den Resten ein, zwei Gläser Kompott oder Marmelade.
Da bin ich ganz anders als meine Mutter. Bei ihr hatte das Einkochen und Marmelade machen früher den Charakter einer Großküchenaktion in deren Verlauf riesige Mengen Obst hyperreif eingekauft wurden – also drei Steigen batzige Marillen oder mehrere Kübel mit Wespen und Würmern durchsetzte Zwetschken oder … und dieses Obst musste dann rasch verarbeitet werden. Die Küche war einen ganzen Tag lang blockiert, bei dreißig Grad im Schatten wurde drinnen hinter beschlagenen Fenstern wie wild gewaschen, gekocht, gerührt, mit Zucker, Rum und Zimt aus riesigen Gebinden hantiert wie in einer Marmeladenfabrik. Auf allen vier Herdplatten brodelte es in den Töpfen, meine Schwester und ich mussten unausgesetzt umrühren und bekamen jede Menge heiße Fruchtsaftspritzer ab. Die Einweckgläser wurden mit brennendem Alkohol versiegelt (da durften wir nur zusehen, aber auch das war atemberaubend!) und im Rohr sterilisiert. Die Küche war natürlich zu klein für all die Helfer, die meine Mutter bei ihren Einkochaktionen benötigte – Streß pur. Am Ende thronten zig Litergläser voll köstlicher Marmelade und Kompott auf dem Wohnzimmertisch und alle Köchinnen waren fix und fertig. Am nächsten Tag folgte die gemeinschaftliche Großreinigung der total verwüsteten Küche … so berichten es jedenfalls meine Kindheitserinnerungen, liebe Leserxs.
Schon mangels entsprechender Kleinkinder mache ich es wie gesagt anders. Ich fabriziere Marmelade aus Resten vom Obstkuchenbacken oder von einem Kilo besonders schöner Marillen oder Zwetschken oder einem Säckchen Kirschen. Immer nur zwei, drei Gläser. Das Obst hat in einer Stielkasserole Platz, nichts dampft die Fenster voll, nichts spritzt und in zwanzig Minuten bin ich fertig. Das hat Vorteile: statt Streß genieße ich das liebevolle Hantieren mit den Köstlichkeiten der Natur, keine Küchenverwüstung, kaum Zeitaufwand, am Ende gibt es kleine hübsche Gläser die auch gegessen werden. Und im Laufe eines Sommers kann ich unterschiedliche Sorten von Erdbeeren, Marillen, Beeren einkochen und mich auf verschiedene Geschmäcker aus den bunten Gläsern freuen.

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So sind wir verschieden und ähnlich gleichzeitig, meine Mutter und ich. Kochen tun wir beide gern und gut. Auch meine Geschwister sind ausgezeichnete passionierte Köchinnen. Ich glaube, das haben wir von ihr gelernt. Danke, Mama.

Und Ihnen, liebe Leserxs, noch einen schönen Sommer,

jkk

Die Fotos in diesem Beitrag stammen von ©jkk.

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