buchbesprechung

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Resilienz trainieren. Das Ausfüllbuch, das stark macht.

So steht es vollmundig auf dem Cover des schmalen Buches. Der Psychologe und Psychotherapeut Ulrich Siegrist nimmt darin den Leserxs an der Hand und zeigt ihm, wie er „Schritt für Schritt innere Stärke erlangen und Krisen überstehen“ kann. Es ist ein Praxisbuch, in welchem sich kurze Info-Einheiten mit Fragebögen und Übungsteilen abwechseln. Ich habe es durchgearbeitet.

Wenn Sie, liebe Leserxs, mit dem Thema Resilienz ein wenig vertraut sind, werden Sie gute Zusammenfassungen der wichtigsten Aspekte finden. Der Autor bringt in einfachen Worten auf den Punkt, worum es ihm bei einem Resilienzprozess geht: Standortanalyse, erste Schritte, Ressourcen entdecken, Krisendynamik unterbrechen, zur Ruhe kommen, proaktiv sein, Ressourcen aufbauen, die eigene Mitte finden. Sie werden eingeladen, sich zu jedem Kapitel Gedanken zu machen, Fragebögen auszufüllen und niederzuschreiben, wie Ihr persönlicher Prozess weiter geht.

Nun sind psychologische Ausfüllbücher so eine Sache für sich, liebe Leserxs. Für mittelgute Reflexionen sind sie meistens gut geeignet, für tiefergehende Prozesse weniger. Die Seele ist ein weites Land und ohne einen kundigen Führer verläuft man sich leicht, gerät in ausweglose Schleifen. Dann kommt nix raus und man ist frustriert. So erging es auch mir – ich habe mein Rückenschmerzthema hergenommen, um zu sehen, wie ich dazu eventuell mehr Resilienz aufbauen könnte. Und schon war ich in den Schleifen drin: Ich bin öfter unglücklich und erschöpft, weil keine Therapie hilft. Meine Bedürfnisse wären eine wirksame Therapie. In ähnlichen Situationen half bisher nicht-aufgeben. No-Na-Resumée: Weiter dranbleiben.
Interessant war für mich die Einschätzung der persönlichen Krisendynamik: Bewertung der Bedrohlichkeit, Bewertung der Handlungsmöglichkeiten, meine Grundannahmen zur Krise, hilfreiche und nicht hilfreiche bisherige Erfahrungen. Am Ende zeichnete ich zur Neubewertung meiner Probleme statt einer stetig abwärtsfallenden Kurve eine stabile Linie mit kurzen Einbrüchen. Das fand ich dann richtig gut.

Hier ist mein Fazit:

  1. Das Buch ist gut zu handhaben, die Inhalte sind verständlich und logisch aufbereitet. Für eine erste Standortbestimmung sehr gut geeignet. Vorsicht im Alleingang bei schweren Themen – die Gefahr der no-na-jo-eh-Schleifen ist groß. Es hat schon einen Sinn, warum unser Unterbewusstes manche Themen vor schnellem Zugriff schützt. Wenn Sie das Buch durcharbeiten und es langweilt sie trotz Ihres wichtigen Themas nach einiger Zeit, ist das ein Hinweis darauf, dass Sie einen begleiteten therapeutischen Prozess anstreben sollten.
  2. Wenn Sie noch nichts über Resilienz und damit verbundene Reflexionsprozesse wissen, lesen Sie lieber ein anderes Buch. Zum Beispiel von Micheline Rampe: Der R-Faktor: Das Geheimnis unserer inneren Stärke. Wenn Sie sich als Therapeutin oder Berater damit vertraut machen wollen: Rosmarie Welter-Enderlin und Bruno Hildenbrand: Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände.
  3. Wenn Sie therapeutisch oder beratend arbeiten und mit Ihren Klientenxs Resilienzprozesse in Gang bringen möchten, dann, ja dann kann ich Ihnen dieses Buch wärmstens empfehlen. Es bietet Ihnen als Beraterin eine klare, fortschreitende Struktur und gibt Ihren Klientenxs alle Möglichkeiten, an den notwendigen Stellen begleitet in die Tiefe zu gehen. Es entsteht per se ein nachvollziehbares, schriftliches Dokument vom Problem zur Lösung, das auch später mal eine Ressource darstellen kann.
    Ich kann mir weiters gut vorstellen, dass sozialpädagogisch arbeitende Kollegenxs und Lehrerxs hier feine Anregungen für die Gestaltung ihrer Betreungseinheiten finden können.

Ich wünschen Ihnen gutes Gedeihen weiterhin,

JKK

PS:Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom mvg-Verlag zur Verfügung gestellt.

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6 Gedanken zu “buchbesprechung

  1. 0

    Hallo liebe Judith,
    … auch wenn es am Thema vorbei ist: dein Stift am Bild gefällt mir :)! Schaut nach einem Pelikan schildpatt-Kugelschreiber aus.

    Einen lieben Gruß
    Susanne

    P.S. Ich habe einen gewissen Faible für schöne Stifte, vor allem für Füllfederhalter.

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    1. 0

      Ui liebe Susanne, du bist eine Kugelschreiberkennerin!!! 🙂
      Ich habe den vor etwa 20 Jahren als Talismann (für mich als Klugsch.., nein -schreiberin, hihi) gekauft und er ist mir wie magisch nie abhanden gekommen.
      Schade, gelt, dass die Füllfedern so aus der Mode gekommen sind!

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      1. 1+

        Liebe Judith, nachdem einem Talisman zauberkräftige und Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben werden, kann er ja nur bei dir bleiben, denn sonst würde er seiner zugedachten Aufgabe nicht nachkommen :)! Ich hoffe, er hat seine Aufgabe mit Bravour erfüllt!

        Dir einen schönen Tag
        Susanne

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  2. 0

    Wow, gute Buchbeschreibung mit Weiterführung zu anderen Büchern. Dein Wissen ist enorm, das müsstest Du eigentlich nicht nur in Blogs
    weitergeben sondern an der Uni. LG Gaby

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    1. 0

      Hallo Gaby,
      danke für die Blumen! Im Moment genieße ich es sehr, nichts mehr unterrichten zu müssen 😉 Freut mich aber dass du meinst, ich könnte das.:-)

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