knallende schönheit – zur fallas in valencia

Wenn Sie liebe Leserxs, glauben zu Silvester würde bei uns laut geknallt, dann fahren Sie mal zum Frühlingsfest nach Valencia. Wenn Sie meinen in Venedig wäre es voll, fahren Sie zum Frühlingsfest nach Valencia. Wenn Sie eine der bezauberndsten Städte Südeuropas erleben wollen – dann fahren Sie nach Valencia wann immer es Ihnen passt.Die Stadt bietet Ihnen viel mehr als Sie in ein paar Tagen erleben können. Das Beste aus mindestens vier Welten sozusagen. Es gibt Meer, Strand und gepflegtes Badeklima inklusive exklusiver Yachten und Hotels gleich vor den Toren der Stadt. Im Zentrum eine ultramoderne Kulturmeile vom Feinsten – Konzerthalle, Oper, Wissenschaftsmuseum, Kino, Forschungszentrum und Ozeanum in einer riesigen neu angelegten Parklandschaft. Die meisten Bauten stammen aus der kreativen Feder des Architekten Santiago Calatrava, der u.a. ein faszinierendes U-Bahnstationsgebäude am Ground Zero in New York entworfen hat. Wir wanderten stundenlang in dieser „Stadt der Künste und Wissenschaften“ herum und fanden tausende Blickwinkel, aus denen alles immer nochmal anders aussieht – und immer atemberaubend schön. Valencia hat ausserdem eine bezaubernde Altstadt wie viele Städte im Süden. Diese hier fanden wir kleiner und feiner als ihre große Schwester in Barcelona und sie quillt über vor Leben.
Das ist das Beste, eine vierte Dimension: die allgegenwärtige Lebensfreude und Lebendigkeit der Spanier. Denn wie in vielen Städten Spaniens gibt es Touristen, aber man spürt sie kaum. Es sind die Einheimischen, die hier in bunten palavernden Gruppen die Strassen, Plätze, Cafes und Museen bevölkern. Es gibt hier die höchste Dichte an Bars, Cafes, Restaurants, Eisdielen die ich jemals gesehen habe und alle sind zu allen Tages- und Nachtzeiten voll – gerade bis auf den einen Tisch, den wir dann nahmen.

Die Fallas sind ein 19-tägiges Frühlingsfest, das gleichzeitig an – wenn ich das richtig verstanden habe – etwa 400 kleinen Plätzen über die ganze Stadt verteilt gefeiert wird. Jedes Grätzel hat sozusagen seine eigene Fallas – dazu gehören eine große und eine kleine mehrere Meter hohe Figurengruppen aus Pappmaché, ein Zelt zum Feiern, eine quietschfidele Musikkapelle und die Bewohner, die von klein auf gelernt haben, wie man richtig Krach macht. Denn die Knallerei dauert hier eine ganze Woche, 24 Stunden täglich. Jede „Kommission“, wie die lokalen Fallas-Abteilungen heißen, hat ein bestimmtes Knallmuster, das sich in Wellen stundenlang über die ganze Stadt zieht. Dazu werden Knallfrösche und noch viel lautere Knallbomben sowie Feuerwerke in einem bestimmten Rhythmus gezündet – von mindestens der Hälfte aller Menschen, die auf der Strasse zu sehen sind. Opas zeigen ihren 3-jährigen Enkeln wie sie die Knallfrösche am Gehsteig auflegen müssen und klatschen begeistert wenn das Kind sie anzünden kann. Wir sahen eine Mutter, die ihrem etwa einjährigen Kind offenbar eigens entwickelte Babyknaller vor die Füße legte und das Kleinstkind jedesmal glücklich in der Luft herumschwenkte, wenn es mehr oder minder zufällig auf einen stieg. Ab etwa 6 Jahren tragen die Jungen kleine Holzkästchen an einem Lederband mit sich und schießen in kleinen Banden gemeinsam ihre Böller. Mitten im dichtesten Gewühl. Über die ganze Stadt ziehen Wolken aus Kracher-Feinstaub. Ich weiß nicht wie viele Verletzte oder Knalltraumata es hier gibt. Niemand scheint sich daran zu stören. Sogar die Hunde Valencias wirken 100% schussfest – wir sahen nur friedliche spielende Tiere, die sich keinen Deut um die Knaller direkt neben ihnen scherten.

Jedes Viertel schickt seine eigene Prozession herrlich gekleideter Frauen samt fröhlich dröhnender Musikkapelle in die Altstadt, wo die Frauen kleine Sträuße mit weißen Nelken an einer riesigen Madonna abgeben und speziell geschulte Blumenstecker diese in vier Tagen kunstvoll  in eine weiß-rote Pracht verwandeln. Die Prozessionen gehen Tag wie Nacht, die Kapellen spielen Tag wie Nacht, die Menschen wiegen und schieben sich im Takt der Trommelmusik Tag wie Nacht durch die Gassen und Plätze. Alles wird im lokalen Fernsehen übertragen und ist in jedem Cafe zu sehen – zur Fallas gibt es kein Entkommen. Am Ende, in der Nacht auf den 20. März, werden alle Fallas Figuren in einem riesigen Fest verbrannt. Eine einzige in genau vorgegebenen Ritualen gewählte Siegerfigur kommt in ein eigenes Museum, wo man sie zusammen mit den Figuren aus den letzten 100 Jahren bestaunen kann. Ja, Sie haben richtig gehört, die anderen werden alle mitten in ihren Gretzln verbrannt, die größte direkt vor dem Rathaus. Uns ÖkoBio angehauchten Touristen schien, dass für die Figuren Kunststoffe und Farben verwendet wurden, deren Verbrennungsdüfte man lieber nicht einatmen will. Und gleich 400 Feuerstellen in der Nacht? Nun, es ist Spanien und nicht Österreich. Ein sehr gnädiger Gott schickte heuer just um 1 Uhr nachts einen kräftigen Regenschauer …
Essen und Trinken kann man gut in Valencia. Die traditionelle Küche ist wie überall in Spanien fleisch – und fischlastig, in kleineren modernen Cafes bekamen wir auch gegrillte Gemüse. Wenn Sie in Ihrer Paella ein Hasengebiss finden, ist es die typische valencianische Paella. Der Wein ist meist mild und gut und billig. Modegetränk des Jahres ist hier der Gin-Tonic. Und Erdmandelmilch. Die Spanier lieben es süß, sogar das lokale Turia-Bier schmeckt süß. Wir würden einen kleinen kontrollierenden Blick auf alle Rechnungen und Wechselgelder empfehlen. Die Taxis sind billig, die Öffis auch. Wenn Sie sich bemühen, eine Konversation auf Spanisch zu beginnen, wechseln die meisten Einheimischen etwas später Ihnen zuliebe auf Englisch.
Unser Fazit: Valencia ist eine wunderbare Destination. Fahren Sie bitte nicht zur Fallas-Zeit, wenn Sie empfindliche Ohren haben, zu Asthmaanfällen neigen oder in großen Menschenmengen Panik kriegen, denn Sie können hier nirgendwohin ausweichen. Buchen Sie wenn möglich im vorhinein ein Konzert, eine Opernvorstellung, oder zumindest eine Führung durch das Opernhaus. Schauen Sie sich die Sache mit dem Foucaultschen Pendel im Wissenschaftsmuseum genau an und gehen Sie in das Ozeanum um zb.  die spielenden Belugawale zu sehen. Lassen Sie sich bezaubern von der Lebendigkeit der Einheimischen, den schönen Häusern und Winkeln der Altstadt, den mondänen Anblicken der Stadt der Künste und Wissenschaften. Essen und trinken Sie wo es Ihnen gut erscheint und seien Sie nicht zu streng mit Ihren Ernährungsrichtlinien und mit den Künsten des Kochs.

Es ist schön in Valencia, wunderschön. Und es ist voll in Valencia, wundervoll liebe Leserxs,

JKK

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