mehr geld für mehr leben

Klingt wie eine gute Idee, nicht wahr? Mehr Geld für mehr Leben ist der Titel eines durchaus empfehlenswerten NewYorkTimes-Bestsellers, durch den ich mich die letzten Wochen gekämpft habe. Gekämpft, weil 9 Kapitel 360 eng bedruckte Seiten füllen, weil es ein dichter „typisch amerikanischer“ Text mit vielen Worten ist und weil es inhaltlich eine Generalreform meines bisherigen eher lockeren Finanzgebarens darstellt bzw. darstellen würde, wenn ich es jemals schaffen würde, mich daran auszurichten.
Vicki Robin, Joe Dominguez: Mehr Geld für mehr Leben. Wie Sie in neun Schritten Ihre Beziehung zum Finanziellen ändern und früher in Rente gehen können. Redline Verlag 2018.

Als ein Kind des vergangenen Jahrhunderts lernte ich zu Hause einen eher einfachen Umgang mit Geld:
1. Sparen, man kauft nur das Notwendigste, mehr braucht man nicht.
2. Sparen, das meiste ist eh nur Klumpert und das braucht man schon gar nicht.
3. Sparen, es kommen bestimmt mal schlechte Zeiten.
4. Nur ein Lump gibt mehr aus als er hat. Punkt.
Nur für Bildung wurde bei uns zu Hause Geld in die Hand genommen. Ich danke meinen Eltern noch heute für diese Weitsicht. Ich selbst habe mich nicht immer an diese Regeln gehalten, vor allem nicht an Regel 1. Umso mehr dafür an Regel 4. Und bin ganz gut durchgekommen damit.

Sie können sich vorstellen, liebe Leserxs, wie neugierig ich auf dieses Buch war. Endlich würde ich mal mehr über eine gute, sinnvolle, reich machende Finanzgebarung lernen. Doch halt! Bereits im Vorwort erklären die Autoren, „dass es nur einen Grund gibt, ein Buch über Geld zu lesen: sich ein besseres Leben zu schenken … Oder würden Sie sich etwa, nur um Millionär zu werden, für immer in eine schalldichte dunkle Kiste sperren lassen?“ Es geht also darum, ein fröhlicher, produktiver und freier Mensch zu werden, der sich keine Sorgen mehr um Geld machen muss. Auch gut, dachte ich. Es kann ja alles immer noch besser werden.

Ziel des Buches ist, aus Ihnen, liebe Leserxs, eine/n FI-ler zu machen. Genau genommen gleich eine/n vierfachen FI-ler. Also 1. eine finanziell intelligente Person. 2. eine finanziell integre Person. 3. eine finanziell interdependente Person. Und schließlich 4. eine finanziell unabhängige (independente) Person. Was das ist und wie das genau geht wird Ihnen genauestens und mit vielen Beispielen erklärt. Es geht um Geldfallen, Schuldenbefreiung, Lebensenergie, den wahren Stundenlohn, das Erfahren eines Genug, Lebensglück und Lebenszeit, das Erstellen eines ehrlichen Budgets, Sparen (hier sehr elegant Frugalität genannt), Anlegen, Genießen.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, praktisch aber scheiterte ich schon an der ersten Übung: Wie viel Geld habe ich bisher in meinem Leben bereits verdient? Ich sollte alle meine Einkünfte und davon erworbene Wertsachen auflisten. Das uralte Silberbesteck bis hin zum Putztuch genau und ein paar Cent Wechselgeld, das mir meine Mutter regelmäßig von den für sie getätigten Einkäufen schenkt, ebenso. Einkommen, Rückzahlungen, Geschenke, Gewinne, Trinkgelder, einfach alles. Dann eine Bilanz erstellen – d.h. all das einteilen in liquide Mittel, Anlagevermögen (Kerzenleuchter, Teppiche, etc. inklusive!), Verbindlichkeiten, Reinvermögen. Nun leben wir seit 30 Jahren in einem großen alten Haus mit vielen Speichern. Würde ich heute anfangen so eine Liste zu machen – es würde Jahre dauern! Also stellte ich mir dieses Kapitel einfach bildhaft inetwa vor und ging zum nächsten, der Erstellung meines tatsächlichen Stundenlohnes. Das wäre sehr spannend gewesen, wäre ich nicht schon in Rente. Nächstes Kapitel: Buch führen über jeden Cent, der in mein Leben fließt oder aus meinem Leben fließt. Tagesaufzeichnungen führen über jeden Cent Ausgaben oder Einnahmen. Ab hier verabschiedete ich mich von der Idee, dass ich diese Übungen jemals machen würde und betrachtete das Buch als anregende Lektüre. Schmunzelnd musste ich feststellen, dass ich mit meinen Kindheits-Geldregeln gar nicht so falsch lag. Das FI-Programm verläuft recht ähnlich. Vielleicht fühlt es sich besser als meine Sparen-Regeln an, wenn man sich richtig darauf einlässt. Jedenfalls, so versichern die Autoren immer wieder, ist man in guter Gesellschaft.

©stevepb-coins-pixabay.com

Mein Fazit für Sie, liebe Leserxs: Wenn Sie mit Ihrem Leben und Ihrer Finanzgebarung vollkommen zufrieden und im Reinen sind, brauchen Sie dieses Buch nicht. Wenn Sie mit Ihrem Leben zufrieden sind und sich für das Thema interessieren, könnte es sein dass dieses Buch Sie auf ein paar neue, klarere Ideen über eine gute Finanzgebarung bringt. Wenn Sie in ständiger Geldknappheit leben, könnte es sein, dass dieses Buch Sie auf eine sehr gute Schiene bringt was Ihre Zukunft betrifft. Dann dürfen Sie aber die Mühen, die mit dem Lesen und den Übungen garantiert verbunden sind, nicht scheuen. Denn ein Erfolgsprogramm ist es allmal, dafür – so die Autoren – stehen hunderttausende Menschen in den letzten 25 Jahren.

Vielleicht auch Sie,

Herzlich, JKK

Das Beitragsbild ist von ©nattanan-money-pixabay.com
Ein Rezensionsexemplar wurde mir freundlicher weise vom redline Verlag zur Verfügung gestellt.

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