mode & stil – götterdämmerung im kleiderschrank 1

Es ist ganz einfach: Kleidung muss funktionell sein und bequem. Klar, gepflegtes Aussehen ist wichtig aber eigentlich will ich wegen meines Wissens, meiner Fähigkeiten und meiner Persönlichkeit wahrgenommen werden. Dafür werde ich von meinen Kunden gebucht und meinen Freunden gemocht, nicht für meine Outfits. Intelligente Frauen brauchen kein ChiChi. So dachte ich bisher und tja, ich lag falsch. Mit der Mode, mit den Frauen und mit dem ChiChi.
Ich berichte Ihnen über meine persönliche Stil-Entwicklung in zwei Teilen. In Teil 1 über meinen mich selbst überraschenden Einstieg in das Thema und wie ich aufhörte stilblind zu sein. In Teil 2 erzähle ich Ihnen von den notwendigen Achterbahnfahrten durch meine Kleider-, Schuh- und Taschenbestände und anderen Rätseln bis zum guten Ende.

Wenn Sie liebe Leserxs keine Lust auf viel Text haben, ist hier die kurze Version dieses Posts: Ein Kurs in Sachen Stil ist super. Machen Sie einen. Er macht sich locker bezahlt und wird sehr wahrscheinlich Ihr Leben verändern. Ach ja, zum Positiven natürlich.

Irgendwann stolperte ich im Netz über einen kostenlosen 5-Tage-Onlinekurs, die Stil-Mission mit der Frau Maier. Neugierig und felsenfest davon überzeugt, dass ich ausreichend Wissen über mein Aussehen hätte aber vielleicht ein kleiner Tipp hier und da nicht schlecht sein könne, schrieb ich mich ein. Zuerst gab es in täglichen Sessions vielerlei Information über Passformen, Farbkunde, Materialien und Schönheit allgemein.

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Die Materie schien einfach, erwies sich aber schnell als komplex. So von der Art Info die man gleich versteht, derweil sie einem erzählt wird aber kurze Zeit später sind nur mehr wirre Bruchstücke davon da, die man nicht einordnen kann. Stirnrunzelnd stand ich wieder und wieder vor meinem Kleiderschrank und fand mich unfähig das erworbene Wissen anzuwenden. Bei Mathematik und Physik kannte ich das von mir, aber bei sowas wie Mode? Dann wurde jede Frau eingeladen, ein Foto von sich in einem Lieblingsoutfit zu einer live-Schaltung mit Frau Maier hochladen. Was ich da erlebte, veränderte mein Leben. Das ist kein Scherz. Es war wie wenn sich nach und nach eine Türe öffnete, von der ich nicht gewusst hatte dass sie überhaupt da war. Beinahe 3 Stunden lang sah ich Frau Maier zu, wie sie geduldig! kostenlos! gefühlt hunderte! Outfits vorstellte und kommentierte. Ich sah große Frauen und kleine, dicke und dünne, dramatische und leise, sehr schöne, junge, mittlere und alte – und immer die Frage: Steht mir das? Bringt das mein Wesen zum Ausdruck? Kann ich etwas verbessern? Ja, sie konnten. Nahezu jedes Outfit konnte mit kleinen oder größeren Kniffen sichtbar verbessert werden. Dann war mein Foto an der Reihe. Hmm, ja .. sagte die Frau Maier. Das sieht soweit gut aus. Die Hose ist zu lang. Definitiv zu lang. Du solltest die Hose kürzen.

Ich schaute genauer auf mein Bild und jetzt sah ich es auch. Die Hose war zu lang. In schlampigen Falten schoppte sie vorne über den Schuhen. Wenn Sie ob so einer Kleinigkeit jetzt lachen, liebe Leserxs, möchte ich Sie warnen: Die Hosenlänge macht in meiner Garderobe mittlerweile einen entscheidenden Unterschied aus. Frau Maier hatte recht. Unbestritten. War das vielleicht mit ein Grund, warum ich immer ein wenig schlampig aussah? Meine Beine immer ein wenig pummelig, die Figur gestaucht? Perplex öffnete ich meinen Kleiderschrank und da waren sie: alle meine Lieblingshosen, alle zu lang. Ich griff mir sieben Stück und baute die uralte grüne Singer-Nähmaschine im Wohnzimmer auf. Es kostete mich Mut, in die schönen Stoffe, die perfekten Nähte hineinzuschneiden, das kann ich Ihnen sagen! Nachmittags traf ich eine Freundin und als sie sagte: Hey, gut siehst du aus! Neue Hose? Fesch! glaubte ich mich tritt ein Pferd. Sie hatte genau diese Hose schon oft gesehen, nur hatte die jetzt die richtige Länge und ich trug Ballerinas dazu. So war ich endgültig angefixt von der stilsicher-Idee und buchte den Folgekurs.

Kleidung und Persönlichkeit
Das erste Modul ging über die Notwendigkeit der freundlichen Selbstwahrnehmung. Man muss zu sich stehen lernen, Figur hin oder her. Wer in den Spiegel schaut und nur Speckröllchen, Pickel oder Falten sieht muss zuerst an den inneren Schrauben drehen. Dann sollten wir unsere Persönlichkeit beschreiben: aktiv, neugierig, unkompliziert, zurückhaltend fiel mir dazu ein. Ein Foto wurde in die kursbegleitende fb-Gruppe gepostet und ich erhielt Feedback: freundlich, offen, sportlich elegant wirkte ich auf andere. Ich war gerührt – so viel schönes Feedback! Im zweiten Teil der Übung sollten wir mit der Persönlichkeitsmerkmale-Liste in der Hand den Kleiderschrank öffnen und genau hinsehen: Spiegelt meine Kleidung meine Persönlichkeit? Drückt meine Garderobe aus wie ich bin, wie ich wirken will? Fassungslos stand ich alsbald (m)einer schrillen Paradiesvogelgarderobe gegenüber – alles bunt, gemustert, kräftige Farben, lauter schicke Lieblingsteile die ich hortete wie ein Märchenzwerg seine Schätze und niemals trug. Daneben ein kleines Häufchen in grau-blau-rose-taupe, das ich permanent anhatte. Wie wenn ich zwei Personen wäre: eine unauffällige Alltagsperson mit wenig anzuziehen und eine zweite grellbunte lustige, die in meinem Kleiderschrank wohnte. Ein Rätsel, das sich erst viele Kursmodule später lösen sollte. Wenn jemand einen Kleiderschrank voll mit nichts anzuziehen hat, sagte die Frau Maier sinngemäß, dann liegt es oft daran: Frau hat viele bunte Einzelteile, die intuitiv gekauft wurden und mit nichts zusammenpassen und die nicht ausdrücken wie die Trägerin wirken möchte. Soviel liebe Leserxs zum Thema: ich kenne mich.

Feedback, Feedback, Feedback
Die nächsten Wochen verbrachte ich vor dem Bildschirm. In der fb-Gruppe wurden permanent Fotos mit Outfits gepostet, um Feedback gebeten. Ich musste einfach überall mitreden. Es war so spannend! Bild um Bild ließ ich auf mich wirken und begann zu sehen, wo ein Kleidungsstück das Wesen einer Trägerin unterstütze und wo es zugedeckt wurde. Was kindlich aussah und was damenhaft, was eine Figur stauchte, was zuviel war, wo etwas fehlte, was schlank machte, was unvorteilhaft war, was jemand strahlen ließ. Links sehen Sie an einem vorher-nachher-Foto, welche kleinen Kniffe einen unglaublichen Unterschied ausmachen. Es traf mich wie ein Hammer als ich realisierte, dass nicht nur meine Hosen zu lang gewesen waren, sondern dass ich meine gesamte Kleidung mindestens eine Nummer zu groß gekauft hatte. Alles schlabberte, nichts passte! Fieberhaft schrieb ich Listen mit do’s und dont’s was meine Person betraf. Es fühlte sich an als ob ich schon lange darauf gewartet hätte all dies endlich mal zu lernen. Erst als der Herr KK mit betont fragendem Blick und einer Geste die an unseren Bundespräsidenten erinnerte, allzu oft in mein Blickfeld geriet, machte ich eine Pause.

Sehen lernen 
Weiter gings mit Köperformen, Passformen und Materialien. Ich kam ins Trudeln. Wie sollte ich bloß die Taillie betonen, wenn bei mir nichts anderes da war als ein Muffin? Im wöchentlichen Live Call wusste Frau Maier Rat, natürlich. Langsam begann ich den Unterschied zwischen „etwas betonen“ und „etwas kaschieren“ zu verstehen und wie bei einem Outfit der Blick gelenkt werden kann. Dass Schuhe wichtig sind. Und gepflegte Haare. Wie viele meiner Kurskolleginnen entwickelte ich ein neues Hobby: Leute schauen. Wo immer ich an belebten Plätzen ein wenig Muße hatte, begann ich zu beobachten. Wer trägt Kleidung in passender Größe? Schmeicheln die Farben? Tragen die Materialien unnötig auf oder kaschieren sie? Was wird mit welcher Kleidung betont: Die Größe, die Breite, welche Körperteile? Wohin wird mein Blick gelenkt? Welche Schuhe passen zu welchen Hosen? Was machen Schals an ihren Trägerinnen? Wer sieht einfach gut aus? Warum genau? Wer hätte noch Potential? Warum genau? Es war so spannend wie ein Krimi.

Das Selfie-Wunder

Mit dem Beobachten und Benennen war es natürlich nicht getan. Der schwierigere Teil war das Erlernte umzusetzen. Dabei halfen mir zwei Dinge in diesem Kurs enorm:
1. die fb-Gruppe, welche sich als freundliches, mitfühlendes und sanft korrigierendes Füllhorn an Ideen, Rückmeldungen und immer wieder neuen Beispielen erwies. Jede Frage erhielt Antworten, Anregungen, Ermutigungen. Einfach Klasse. Ein großes Danke an jede einzelne Kurskollegin und ihr Feedback!
2. Ein Selfie mit jedem Outfit, kaum hatte ich es angezogen. Das war mühsam und freute mich oft gar nicht. Dennoch hat es sich so gelohnt, dass ich es bis heute immer noch mache. Vor allem wenn ich etwas kaufen will: Anziehen und gleich in der Umkleide ein Selfie und dieses dann in Ruhe betrachten. Das erwies sich als das Ende aller Fehlkäufe. Der Unterschied zwischen dem Blick auf sich selbst im Spiegel oder auf einem Foto ist unglaublich. Manchmal stellte ich mir Hose, Bluse, Jacke und Schuhe zusammen und fand mich im Spiegel toll. Dann macht ich ein Foto davon und betrachtete mich erneut: O weh, gar nicht gut. Machen Sie das einmal, liebe Leserxs. Sie werden staunen!

Tiefer gehen: Kleidung und Persönlichkeit
Die intensive Beschäftigung mit meinen Outfits brachte mich auf besondere Art näher zu meinen Kleidungsstücken und zu mir selbst. Beim Hinaufnähen der Hosen begann ich zu sehen, wie schön, mit welch kunstvollen Nähten und Stichen manche verarbeitet waren, wie sinnlich sich das Material in meinen Händen anfühlte. Das tägliche Anprobieren von neuen Kombinationen brachte mich sanft und nachhaltig in Kontakt mit den Stoffqualitäten und Schnitten.

Oft stand ich minutenlang da und fühlte eine Bluse in meinen Händen. Sah zum ersten Mal dass die Taschen meiner Lieblingsjeans mit drei verschiedenen Zierstichen abgesteppt waren. Schlüpfte in eine Jacke und betrachtete die Schulterlinien. Was hatte ich nur für schöne Teile in meinem Kasten! Es war eine Art Götterdämmerung: Ich hatte das alles bisher überhaupt nicht wertgeschätzt. Mein Fokus war auf funktional, unkompliziert und leger gewesen. Ob mir etwas wirklich passte, hatte ich nie gewagt herauszufinden. Im Zweifelsfalle kaufte ich halt eher etwas Teures, denn teuer dachte ich irriger weise hieß irgendwie besser und sah wahrscheinlich auch besser aus. Als ob der Preis mein fehlendes Stilgefühl ersetzen könnte. Jetzt stand ich da und auch wenn Sie lachen, liebe Leserxs, ich schämte mich fast vor meinen Kleidungsstücken. Oder vor meiner Ignoranz. Staunend begann ich zu entdecken, wie verschieden Schnitte sein können, wie sich Stoffe anfühlen wenn man sie länger in der Hand hat, wie Materialien eine eigene Ausstrahlung haben … für mich öffnete sich eine neue Welt der Sinnlichkeit von Mode. Auf einmal wollte ich nichts Neues mehr kaufen, ich wollte das entdecken und kombinieren und tragen, was schon da war.

Der Vow-Moment
Frau Maier hatte es uns versprochen: irgendwann würden wir vor dem Spiegel stehen und etwas anprobieren und es würde innen laut „Vow!“ machen. Das perfekte Teil, die perfekte Kombination wäre gefunden. Sie hatte recht. Durch das liebevolle Hin und Her mit meinen Kleidern öffnete sich plötzlich ein Füllhorn an Kombinationsmöglichkeiten. Während es im Kurs um Accessoirs und Details ging, wühlte ich glücklich in den Tiefen meiner Schränke und und erweckte eine Kleiderleiche nach der anderen zu neuem Leben. Fast täglich flüsterte ich einmal „Vow!“ und einmal packte es sogar den Herrn KK.

Sehen Sie sich zum Thema Kleidung und Persönlichkeit dieses Video an. Es räumt auf eine wunderbare Art auf mit der Idee, dass es bei Mode nur um Äußerlichkeiten geht:

 

So schön kann Mode sein, liebe Leserxs. Schauen Sie einmal hin!

Herzlich, JKK

Das Beitragsbild ist von: ©diddi4-bag-pixabay.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu “mode & stil – götterdämmerung im kleiderschrank 1

  1. Liebe Judith, Du beschreibst auf wunderschöne Weise das, was wir in den letzten Wochen erleben durften. In einem Buch habe ich kürzlich gelesen „Nach diesem Buch ist das Leben definitiv anders.“ Diese Aussage kann man meines Erachtens auf „Stilsicher in 8 Wochen“ übertragen. Es hat sich so viel verändert. Das Wundersame ist, dass wir nicht nur gelernt haben, auf was man bei Bekleidung achten soll, sondern auch einen anderen Umgang mit uns selbst. Ich freue mich schon auf Teil zwei Deiner Schilderung und bin mir jetzt schon sicher: Du wirst es wieder treffend beschreiben. Danke.

    1. Liebe Gabriele, danke für deinen Kommentar! Ja, du triffst den Punkt: Auch mein Leben ist nach diesem Kurs anders im Sinne von bereichert. Gut haben wir’s 🙂

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