natural movement – ein bewegungsbuch

Zurück zur natürlichen Bewegung – für mehr Kraft, Ausdauer und einen gesunden Körper – so steht der Inhalt kurz gefasst am Umschlag. Auf knapp 500 reich bebilderten Seiten geht der Autor Erwan Le Corre dann ins Detail – und nimmt den geschätzten Leser mit in die Tiefe der faszinierenden Materie menschlicher Bewegung. Gezählte 31 Aspekte, wie etwa Effizienz, Atmung, Spannung, Timing, Techniken, Balancieren, Gehen, Klettern … sind in ausführliche, schön gestaltete mit Zitaten und Bildern versehene Kapitel gefasst – gefühlt wird hier nichts ausgelassen, was irgendwie von Relevanz wäre.

Am besten kann ich Ihnen über dieses Buch erzählen, wenn ich es für sich selbst sprechen lasse – mit acht willkürlich ausgewählten Zitaten. Meine persönliche Meinung und Empfehlung gibt es dann am Schluss.

Wenn du durch einen Park spazierst und Menschen beim Sport siehst, kannst du recht einfach erkennen, was sie dort treiben. … Es lässt sich leicht unterscheiden, ob jemand Capoeira oder HipHop, Karate oder Judo betreibt. … Nun stell dir vor, ein erwachsener Mann oder eine erwachsene Frau klettert auf einen Baum, springt von Ast zu Ast und landet mit einer Rolle auf dem Boden, um danach sofort ein paar Meter auf allen vieren zu kriechen und sich schließlich zu einem Sprint aufzurichten, zu springen … Was würdest du denken, wenn du so etwas siehst? (S.7)

Moderne Fitnessprogramme stützen sich auf Konzepte, Theorien, Konventionen, selbst auf Kreativität, aber eben nicht auf Millionen Jahre körperlicher Aktivität draussen in der Wildnis. Sie sind nicht das Ergebnis von Evolution, sondern eben nur von Konzepten, Theorien, Konventionen oder Kreativität. (S.16)

Leider spielen sich viele konservative Fitnessexperten häufig als Pseudowissenschaflter auf, die jeden praxisorientierten Ansatz ablehnen, der nicht „wissenschaftlich“ belegt ist. Das Traurige daran ist, dass die Sportwissenschaft fast ausschließlich die vielfältigen physiologischen Veränderungen behandelt, die bestimmte Trainingsmethoden zur Folge haben, weil sie einfach messbar sind. (S.31)

Das Atemmuster, das Brust- und Überatmen kombiniert, wird nur deshalb als „normal“ angesehen, weil die Menschen sich daran gewöhnt haben. … Physische Anzeichen, die Überatmen begleiten, sind Mundatmung, regelmäßiges Seufzen oder die ständige Notwendigkeit großer Atemzüge. (S.103)

Bewege dich lieber langsam und kontrolliert als schnell und ineffizient. Übrigens: Aus einer realweltlichen, praktischen Perspektive zählen langsame und kontrollierte Bewegungen genauso wie schnelle und kontrollierte Bewegungen. Das physische Feedback langsamer Bewegungen ist für dein Gehirn deutlicher verständlicher als das Feedback der derselben Bewegung wenn du sie schneller ausführst.(S.172)

Beginne mit einer beliebigen (Sitz)Position und halte diese einige Sekunden, bevor du langsam zur nächsten wechselst. Diese einfache Übung verwandelt das Sitzen sofort in eine dynamische Bewegung und weniger in eine statische Haltung. … Widerstehe dem Drang, aus schwierigen Sitzpositionen eine Dehnübung zu machen … (S.221)

Viele Menschen, die barfuß zu gehen versuchen, wollen vom Vorderfuß zur Ferse abrollen, weil ihre Füße noch kein raues Gelände gewohnt sind. Sie verkrampfen oft unbewusst ihre Füße und die Anspannung ist in ihrem Gesicht und in ihrem ganzen Körper erkennbar, weil sie sich geistig auf Schmerzen einstellen. Ich empfehle dir, den entgegengesetzten Weg zu gehen und dich daran zu gewöhnen, die Füße völlig locker zu halten … Du kannst beim Gehen manchmal auch absichtlich auf den Boden stampfen …. damit die Muskeln locker bleiben und sich die Fußknochen ausbreiten können … (S.308)

Das Heben und Tragen schwerer Lasten verbessert altersunabhängig die Knochendichte, die für eine robuste Gesundheit unerlässlich ist. (S.427)

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Wem würde ich dieses Buch nun empfehlen? Als erstes fallen mir Männer ein oder sehr sportliche Frauen – vor allem Menschen, die noch keine bewegungstherapeutische Erfahrung oder Ausbildung haben. Dort ist der Zugang nämlich ähnlich aber viel sanfter und stärker psychologisch verknüpft. Dieser Text ist – nun ja, ich hoffe ich werde nicht missverstanden: männlich und sportlich. Junge Männer, die quer über Parks und Mauern und Häuser laufen (wie heißt der Sport nochmal?) werden am meisten profitieren. Oder Menschen die alleine Nature Trails gehen oder querfeldein durchs Gebirge laufen wollen. Auch es sollte jemand sein der das Lesen nicht scheut. Es ist ein Buch mit vielen Worten und Bildern zum gründlichen Studium über die kommenden Wintermonate. Oder ein Begleitbuch für jemand der es wirklich ernst meint mit der Verbesserung seiner Bewegungsmuster und dem wieder entdecken von Vielfalt und Freude an Bewegung. Ich würde sehr empfehlen sich vor dem Kauf in der Buchhandlung etwas Zeit zum Durchblättern zu nehmen. Wenn Sie das Thema fasziniert, werden Sie ziemlich sicher glücklich damit.

PS.: Eine augenzwinkernde Anmerkung in Richtung Verlag: ein Lektorat, das sich mit Beistrichen auskennt und zwei Drittel davon streicht wäre kein Fehler gewesen.

Bleiben Sie sportlich und gesund, liebe Leser!

JKK

 

 

 

 

 

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