nie mehr rückenschmerzen

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Wenn ich die Zeichen richtig deute, liebe Lerserxs, ist dies meine letzte Runde im Karussell der Rückenschmerzpatienten. Schmerzfrei und gesund wie ich mich fühle, steige ich jetzt aus. Hoffentlich 🙂 !!! ist dies auch mein letzter Blog darüber. Nach 20 Jahren Irrfahrt bin ich körperlich und geistig an einem Ort angekommen, wo ich Klarheit, Ruhe und eine Gewissheit empfinde: Es ist vorbei.
Wie dies? mögen Sie fragen. Jetzt auf einmal? So schnell? Was ist passiert?!
Tja. Ich antworte ich Ihnen lächelnd und mit klarem Blick. Ich weiß jetzt genug darüber. Ich habe gefunden, was ich brauche. Es geht seit Wochen schnurstracks aufwärts mit mir und nicht nur mein Körper, nein alles in mir weiß: das geht genau in die richtige Richtung, so fühlt sich gesundwerden an.

Aber der Reihe nach:
Mit einer mittelschweren Attacke vor einigen Wochen wieder einmal im Bett liegend habe ich begonnen, Cathryn Jakobson Ramin’s Buch „CROOKED. Outwitting the back pain industry and getting on the road to recovery.“ zu lesen. Die investigative amerikanische Journalistin hat sich anhand ihrer eigenen Rückenerkrankung auf die Suche nach wirksamen Therapien gemacht. Ihre Recherche ist persönlich, umfassend und die Ergebnisse haarsträubend. Sie hat sich gründlich mit den in den USA gängigen Schmerzbehandlungsprogrammen auseinandergesetzt – und kurz zusammengefasst: es bleibt kein gutes Haar an jedweder Art von operativer oder passiver Behandlung! All das chirurgische Ausräumen, Glätten, Verdrahten, Versteifen, Aussägen, Infiltrieren, Einsetzen von Knochen- und Bandschscheibenersätzen, das andauernde chiropraktische Wiedereinrichten, das passive sich massieren-lassen … das sind alles (mit Ausnahmen, wo jemand Lähmungserscheinungen oder beginnende Organversagen hat) Auswüchse einer irrsinnig gewordenen privatisierten Medizin- und Versicherungsindustrie. Mit, wenn überhaupt, sehr kurzfristig anhaltenden Erfolgen. Dafür laufen lt. Ramin in den USA jede Menge Schmerzpatienten herum die jahrelang bis zu 180mg Opoide täglich zu sich nehmen. Die private Gesundheitsindustrie bietet jede Menge sinnloser, dafür teurer Therapien und so gut wie null dauerhafte Lösungen an. Ganz im Gegenteil: Rückenschmerzpatienten bleiben ein Leben lang die Goldesel der Versicherer, Mediziner, Masseure und Chiropraktiker. Alle wissen das und kaum jemand tut etwas dagegen, da es sich dabei für alle so herrlich verdienen lässt.
Sie können sich gar nicht vorstellen wie froh ich war, in Österreich zu leben, wo die staatlichen Krankenkassen so wenig wie möglich operieren lassen wollen und nur Reha-Programme finanzieren, die nachweislich etwas bringen sowie immer auf Eigeninitiative und Mitarbeit des Patienten beruhen. Meine schreckliche Fantasie beim Lesen dieses Buches: In den USA wäre ich mit Billigung meiner dortigen (Zwangs-)Privatversicherung schon längst zum Krüppel operiert worden. Möglicher weise auch deshalb, weil mein Chirurg im Vorstand meiner Krankenversicherung sitzt …
Nun zu den guten Nachrichten: In Crooked werden eine Reihe von Therapien vorgestellt, die der Autorin tatsächlich geholfen haben bzw. welche nachweislich dafür sorgen, dass Patienten beschwerdefrei werden und nicht wieder kommen. Das sind Multimodale Schmerzprogramme etwa, bei denen Körperübungen, Alltagsbewältigung, Ernährung und Psychotherapie kombiniert werden. Das sind bestimmte Ansätze in Therapien wie zb. Feldenkrais, Rolfing, Kieser Training, IyengarYoga, TaiChi, QiGong.
Ich war unglaublich erleichtert zu lesen, dass mein Rehaprogramm zu Anfang dieses Jahres ziemlich genau den modernsten internationalen Erkenntnissen der Rückenschmerztherapie entsprochen hat. Gratuliere Österreich!
Ramin beschreibt u.a. ausführlich ihre positiven Erfahrungen mit Dr. Stuart McGill und seinem Trainingsprogramm. Ich habe mir sein Buch „Rückenreparatur“ besorgt und wie er es empfiehlt, zwei mal durchgearbeitet. Es enthält umfangreiche Selbsttests, welche individuelle schmerzhafte Bewegungsmuster und ihre Ursachen herausfiltern und gibt klare Anweisungen, was man vermeiden soll. Es sind in Summe ein paar wenige Grundsätze, die es McGill’s Auffassung nach einzuhalten gilt und nur 3 Übungen, die man täglich ausführen soll. Es sind Stabilisierungsübungen ähnlich denen, die ich kenne, ein wenig intensiver vielleicht. Nach 14 Tagen täglichen Trainings fühle ich mich wie fast neu geboren. Ich bin begeistert.

Ich gehe zwei Mal täglich auf Eric Franklin’s Core-Walk. Das muss kein extra Spaziergang sein, meistens core-walke ich einfach in der Stadt auf einem Weg vom Parkplatz zu Kaufhaus A und weiter zu B oder so.
Der Core-Walk war die Initialzündung. Da ist bei mir genau das Richtige in Bewegung und in eine koordinierte Ordnung gekommen. Dann kam das gute Buch von Stuart McGill und seine Übungen. Auch wenn mir dabei der Schweiß von der Stirne perlt und die Muskeln zittern: das wirkt gut. Beim Yoga lasse ich derzeit jene Übungen weg, die sich beim Test als für mich nicht geeignet herausgestellt haben. Mir sind sowieso die Sonnengrüße am liebsten … Kürzlich fand ich sogar eine mahnende Stimme aus der Yogawelt zum übertriebenen Dehnen der Beinrückseiten.

Nun ist ja klar, dass diese meine Geschichte nicht beliebig auf Sie, liebe Leserxs, übertragbar ist. Ich will Ihnen nicht irgendeine besondere Therapie ans Herz legen, nur weil sie mir geholfen hat. Ich frage mich selbst, wie in aller Welt es 20 Jahre dauern konnte, bis ich zu einer Trainings-Mischung gefunden habe, die für mich echte Lösungen birgt. Ich glaube, ich hätte am Anfang meiner Beschwerden einen kompetenten Arzt gebraucht der mir eindringlich ins Gewissen geredet hätte. Aber das sich-persönlich-auf einen-Patienten-einlassen und ihm auch mal fachgerecht die Meinung zu sagen scheint ja bei uns regelrecht verpönt zu sein. Grüß Gott, Beschwerdebild, Überweisung, Tabletten, fertig. Je „sachlicher“ desto besser. Leider!
Bis heute befolge ich den Rat eines beherzten Zahnarzts in den USA vor vierzig Jahren, als mir dort in einer Schulung gezeigt wurde, wie man sich richtig die Zähne putzt und Zahnseide verwendet. „Ja, muss ich das jetzt wirklich jeeeden Tag machen? Mit aaallen Zähnen?“ fragte ich österreichisch generalversicherte Jugendliche. Damals glaubte ich noch, der Zahnarzt wäre für meine Zähne zuständig.  „Oh, nein.“ lächelte der Zahnarzt freundlich und zwinkerte. „Nur bei den Zähnen, die du dir erhalten möchtest. Die bald rausfallen sollen, brauchst du nicht zu putzen.“
Hätte mir also damals ein Arzt ausführlich erklärt, was es mit meinem weichen Bindgewebe genau auf sich hat, hätte ich mir ein besseres Bild machen können. Wäre mir damals ein intensives Rücken-Kraft-Trainingsprogramm verschrieben worden und wäre ich eindringlich vor Dehnungen und passivem Mobilisieren gewarnt worden … vielleicht hätte sich mein Leidensweg abkürzen lassen. Vielleicht, klar. Vielleicht.

Ich möchte Sie ermutigen, liebe Leserxs, bei Rückenschmerzen so schnell wie möglich kompetente Hilfe zu suchen. So wenig wie möglich passiv an sich manipulieren zu lassen, oder gar operieren. So viel wie möglich selbst aktiv sein, Gelenke mobilisieren, Kraft aufbauen, Koordination wiederherstellen (da sind Feldenkrais-Einzelstunden nach wie vor unschlagbar!). Werden Sie sich darüber klar, ob Ihr Bindegewebe eher fest oder eher weich ist. Folgend Sie dem, was Ihnen spürbar hilft. Nach 14 Tagen eines Programms müssen die Schmerzen deutlich weniger geworden sein, sonst ist das Programm falsch. Verrennen Sie sich nicht wie ich jahrelang in ein Denken:  „Yoga/Joggen/das XYProgramm…  MUSS MIR helfen, denn die Werbung sagt, es hilft jedem.“ Bleiben Sie wach. Bleiben Sie dran. Werden Sie gesund.
Schmerzfrei ist ein großartiges Gefühl. Auch wenn es anfangs etwas aufwändig ist. Das lohnt sich tausendfach, wie jeder Rückenschmerzler weiß 😉

meint

JKK

Das Beitragsbild ist von ©efes-woman-pixabay.com.
Das Buchcover wurde freundlicher weise von HarperCollins Publishers zur Verfügung gestellt.

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2 Gedanken zu “nie mehr rückenschmerzen

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