oasen der freundlichkeit

Neulich war ich mit meiner Mutter im Park. Sie sitzt jetzt im Rollstuhl und genießt es sehr, ein wenig Fahrtwind im Gesicht zu spüren. Es war Sonntag und das Wetter angenehm. Familien, Kinder, Hunde, Radfahrer, verliebte Paare, Jugendliche in Gruppen, alte Menschen mit unterstützendem Anhang, es war wirklich etwas los dort. Und was tat meine Mutter? Sie machte aus zwei Stunden Rollstuhlfahrt eine Fülle von freundlichen Begegnungen mit wildfremden Menschen. „Ja wer bist denn du? Du bist aber schon groß!“ sagte sie neugierig zu kleinen Kindern, die neben ihren Eltern heranwackelten. Die Kinder blickten auf und die Eltern lächelten. „Na so ein schöner Hund!“ rief sie eim Anblick von gefühlt hundert verschiedenen Hunden – und ihre Besitzer strahlten. „Grüß Gott, grüß Gott!“ winkte sie anderen betagten Rollstuhlfahrern und ihren Pflegerinnen zu. Ich weiß nicht wie oft wir stehen blieben und ein kleines Gespräch über das herrliche Wetter, den schönen Park und die angenehme Luft führten. Meine Mutter erschuf aus dem Nichts eine große freundliche Begegnungszone.

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Das, liebe Leserinnen, hat mich nachdenklich gemacht. Wie viele kleine persönliche Begegnungen haben wir an einem Tag? Wie viele davon nützen wir für eine kleine Freundlichkeit? Ich selbst bewege mich meistens schnurstracks und innerlich auf die nächste Aufgabe fokussiert von einem Termin zum nächsten ohne die vielen Gelegenheiten für ein wenig Aufmerksamkeit, ein wenig Freundlichkeit zwischendurch wahrzunehmen. Ich bin alltags nie unhöflich, aber ich bin auch nicht explizit kontaktfreudig oder freundlich. Schade, fand ich nach diesem Sonntag im Park. Richtig schade, denn es könnten eine Menge kleine nährende Oasen der Freundlichkeit entstehen. Ein Danke für die  Verkäuferin in der Bäckerei, ein Kopfnicken für den wartenden Autofahrer am Zebrastreifen, ein Lächeln für die Dame neben mir im Bus, sogar ein Steht-Ihnen-gut! für die Kundin in der Umkleide neben mir, ein Auf-Wiedersehen! für den Ober im Kaffeehaus. Tausend Möglichkeiten, die etwas bewirken würden. Bei den anderen vielleicht, bei mir selbst ganz bestimmt. Ich bin mir sicher, es würde meinen Lebensraum erweitern und meiner Persönlichkeit mehr Raum geben, meinen Alltagshandlungen mehr Ruhe und Ausgewogenheit. Ich hätte innerlich mehr Zeit, ohne aussen welche zu verlieren. Den Fokus erweitern auf alle Begegnungen eines Tages, nicht nur auf die vermeintlich wichtigen – das könnte mir sehr gut tun.

Vielleicht sind Sie liebe Leserinnen eher wie meine Mutter und nützen ohnehin jede Gelegenheit für einen nährenden, heiteren, kleinen Kontakt. Vielleicht aber geht es Ihnen eher wie mir. In diesem Sinne ermutige ich heute uns alle beide, viele kleine Oasen der Freundlichkeit im Alltag zu erschaffen,

Herzlich

JKK

 

Das Beitragsbild ist von ©geralt-human-pixabay.com

2 Gedanken zu “oasen der freundlichkeit

  1. Liebe Judith, mir geht es wie deiner Mutter, ich liebe es, mit Leuten in Kontakt zu kommen. Meine Kinder haben mich schon als sie klein waren immer gefragt:“ Mama , kennst du die Frau/ den Mann?“
    Nein, kannte ich nicht. Machte aber nichts. Daraus hat sich oft ein schönes Gespräch, ein guter Tipp oder einfach eine Gelegenheit, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder zu helfen, ergeben. Ich mach’s!
    Letzte Woche sah ich bei Zara eine Frau ca. Ende 50. Ich fand, sie sah einfach WOW aus. Während ich sie völlig fasziniert anstarrte, um herauszufinden, was diese Faszination ausmachte, war sie leider in eine andere Etage entschwunden, ehe ich ihr sagen könnte, wie toll sie aussah, wie gut ihr das Kleid stand usw.
    Schade

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