saisonal essen – das experiment

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Neulich war es mir einmal zu heiß draussen. Also begann ich drinnen, genauer gesagt in meiner Speisekammer herumzustöbern. Das war sehr effektiv: Am Ende entsorgte ich über 20 Gläser mit Marmeladen, Chutneys und Kompotten. Sie hatten alle schon ein paar Jahre auf dem Deckel und niemand würde sie je essen. Dann dachte ich an meine Tiefkühltruhe: dort befinden sich noch immer mehrere Kilo einstmals herrlicher Him-, Heidel- und Erdbeeren. Von den Marillen und Zwetschken für weihnachtliche (?!) Obstkuchen ganz zu schweigen. Und jetzt, mitten in der besten Spargelzeit, auch noch einige Becher mit liebevoll eingefrorener Spargelcremesuppe, auf die wir letzten Winter auch keine Lust gehabt hatten.

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Also ging ich ernsthaft mit mir ins Gericht. Ich mag Verschwendung nicht. Ich will keine toten Lebensmittellager in meinem Haus haben. Und nein, ich kaufe ganz sicher keine zweite Kühltruhe wenn die erste überquillt. Ich hielt es für die bessere Idee, nun sofort ein Experiment zu starten:
Wir essen ab sofort alles saisonal. Frisch, möglichst regional. Derzeit könnte es einfacher nicht sein: Spargel, Erdbeeren, Spinat, Salat, Kohlrabi … Wir essen das bis zum Abwinken, bis wir keine Erdbeeren mehr sehen können. Oder Spargel. Wenn dann die Spargelzeit endet, haben wir hoffentlich bis zur nächsten Saison genug davon. Wir stürzen uns in Folge auf die kommenden heurigen Kartofferl, auf die Himbeeren, die Kirschen, auf Mangold und Marillen.
Ich werde heuer nicht mehr einkochen als wir essen werden. Das sind erfahrungsgemäß etwa 3 Gläser Marmelade und Kompott pro Obstsorte. Was halt für Kaiserschmarrn, Palatschinken und ein seltenes Marmeladebrot in realistischer Menge gebraucht wird. Es tut fast weh, von den inneren Bildern von Reihen mit je 10 hübschen Marmeladegläsern in allen Farben Abschied zu nehmen. 😉

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Ich werde heuer nicht mehr einfrieren, als uns später schmecken wird. In der kalten, finsteren Winterzeit hatte bei uns sowieso niemand Lust auf Bärlauchpesto, Spargelcremesuppe und Tiefkühlerdbeeren. Warum auch? Also kommen je zwei Kilo der verschiedenen Beeren für Clafoutis und Müsli in die Truhe und gut ist’s.
Über dieses Experiment werde ich Ihnen, liebe Leserxs, ein Jahr lang in kleinen updates berichten. Im Sommer und Herbst stelle ich mir das recht einfach vor. Neugierig bin ich auf den Winter, auf die die kargen Monate von Februar bis April. Und ich hoffe, es kommt keine Hungerszeit. Denn in mir wohnt auch ein Teil, der das Bevorraten mit Lebensmitteln für wichtig hält. Wer weiß, kommt plötzlich eine Hungersnot? Dabei hatte ich als Kind über meinen Großvater gelacht, wenn er wieder mal 20 Dosen Tomaten oder Sardinen eingekauft hatte „weil es das jetzt gerade gibt“. Mein Opa war 1896 geboren, der hatte mehrfach erlebt was es bedeutete, nichts zu essen zu haben. Und wie gut uralte Marmelade dann schmecken kann. Aber ich?
Ich bezwinge wieder einmal meine Ängste, liebe Leserxs, und wage das Experiment der saisonalen, regionalen und frischen Fülle.

Herzlich,

JKK

PS: Sollten Sie noch Beeren oder Kirschen eingefroren haben, rate ich Ihnen zu meinem Clafoutis-Rezept, liebe Leserxs. Da geht was drauf und es schmeckt köstlich!

Update Ende Juni:
Ich bin ganz gut unterwegs. Wir haben es super geschafft, mit saisonalem Gemüse zu leben. Ich hatte meine Einkaufs- und Einkochwut bezüglich Spargel und Erdbeermarmelade so halbwegs in Griff. Nur einmal gab’s besten Biospargel um 2,50 und so herrliche Erdbeeren, dass ich schwach geworden bin. Ok, sechs tiefgekühlte Suppen und vier kleine Gläser – das geht.
Ausgerechnet heuer verschafft mir ein gütiger Wettergott eine Gemüseernte auf 800 Höhenmeter, wie ich sie sonst nur von meinen Gartenfreundinnen in den lieblichen Ebenen kenne. Jetzt schon Karotten, Gurken, Zuccini, Stangensellerie! Meine vier (statt 12 wie früher) Pflänzchen Mangold geben so viel her wie sonst eben 12. Und wunderbarer, schneckenfreier Salat und …
Ich muss also jetzt schon anfangen, die Fülle einzukochen. Wenn dieser Sommer gemüsemäßig so weiter geht, hmm…

 

Update Mitte August:
Mein Experiment entwickelt sich hervorragend was das saisonale und regionale betrifft. Es ist superleicht und überraschend auch superlustig einzukaufen, was es hier wo ich lebe, gerade gibt. Mein Blick hat sich weiter geschärft: Woher kommt das Gemüse genau? Gibt es das gleiche auch von näher? Tatsächlich gibt es im Supermarkt Paprika oder Tomaten aus Spanien, Holland, aus Österreich und aus dem Burgenland. Es gibt Eierschwammerl und Heidelbeeren aus Tschechien, aus Slowenien, aus der Steiermark und aus OÖ. Das meiste kommt aber einfach aus meinem Garten. Gerade hat überbordend die Tomatensaison begonnen und die Klaräpfel sind reif.
Damit bin ich bei jenem Teil des Experiments, der ziemlich quietscht und eiert. Ich wollte ja nicht mehr so viel einfrieren oder einkochen und habe deutlich weniger Gemüse angepflanzt. Dann macht mir der wunderbare Sommer einen Strich durch die Rechnung – alles gedeiht mindestens doppelt so üppig heuer. Aber wohin mit den riesigen Tomaten? Den gefühlt 200 kg Klaräpfeln? Den herrlichen Karotten? Fisolen? Porree? Fenchel? Ich muss das doch alles einkochen und einfrieren. Also rühre ich Tomatensauce für die winterlichen Nudelsessions, hacke Gemüsemischungen als Suppeneinlage  und friere blanchierte Gemüseeintöpfe ein. Die geliebten Apfelschlangerl auf Vorrat nehmen bereits eine ganze Lade der Tiefkühltruhe in Anspruch. Gleichzeitig essen wir was geht, ehrlich. Manchmal will der Herr KK ein einfaches Salamibrot, weil er kein Gemüse mehr sehen kann. Statt Blumen bringe ich unseren Freunden Broccoliröschen oder Fisolen mit. So schaut’s aus im August, liebe Leserxs.

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